Neuer Schulleiter Guido Lomb will mehr Freiräume für die Schüler

Bad Hersfeld. Seit Anfang Oktober dieses Jahres ist Guido Lomb der neue Schulleiter der Beruflichen Schulen auf dem Obersberg in Bad Hersfeld mit Außenstelle Heimboldhausen.

Schulleiter Guido Lomb sieht in seiner neuen Schule viel Potenzial. Im Interview hat er konsequent die männliche und weibliche Form verwendet. Der besseren Lesbarkeit wegen verwenden wir jeweils die männliche Form.

Herr Lomb, was hat Sie bewogen, aus dem Kultusministerium an die Beruflichen Schulen nach Bad Hersfeld zu kommen?

Guido Lomb: Ich bin eigentlich stellvertretender Schulleiter in Hanau gewesen. Ich war ans Kultusministerium abgeordnet, sehe mich aber eher in der Schule. Das war eine sehr, sehr interessante Tätigkeit, die mir auch sehr viel

Was reizt Sie an dem Posten?

Lomb: Die Möglichkeit, etwas gestalten zu können zum Wohle unserer Schüler. Das trägt mich eigentlich schon immer: Die Schüler müssen im Mittelpunkt stehen. Deshalb bin ich Lehrer geworden und später in die Leitung gegangen, um Akzente setzen zu können, damit die Schüler einen guten Unterricht bekommen. Meine Aufgabe als Schulleiter ist es, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen.

Wie weit können Sie denn die Rahmenbedingungen beeinflussen?

Lomb: Wir bekommen finanzielle Mittel vom Land und vom Kreis, die wir relativ frei einsetzen können. Und mit den Ressourcen kann man Akzente setzen, bezüglich der Stundenplangestaltung und auch bezüglich der Ausstattung. Da wünscht man sich als Schulleiter immer mehr, aber bei diesem Schulträger hier sind wir schon ganz gut aufgestellt. Beim Fachdienst Schulen in der Kreisverwaltung ist ein gutes Gespür für die Schulen da. Man merkt schon alleine daran, dass der Landrat auch Schuldezernent ist, Schule hier eine andere Wertigkeit hat. Das hilft uns.

Bei uns wird gerade der komplette Ernährungsbereich umgebaut. Das ist nicht selbstverständlich in Zeiten, wo die Schülerzahlen zurückgehen.

Und was können Sie selber tun?

Lomb: Ich sage immer: Ich gehe gerne zur Arbeit, wenn ich Spaß habe. Und das überträgt sich. Ich muss also dafür sorgen, dass mein Kollegium hier gerne herkommt. Und das überträgt sich auf die Schüler. Wenn der Lehrer keine Lust hat, dann kann kein guter Unterricht stattfinden.

Wie kann man frustrierte Lehrer motivieren?

Lomb: Grundsätzlich kann sich jeder nur selber motivieren. Aber ich kann natürlich Anreize setzen, zum Beispiel durch Wertschätzung. Einfach mit offenen Augen durchs Haus gehen und die Arbeit der Kollegen wahrnehmen. Ich glaube, dass oftmals die Arbeit, die jeder einzelne macht, nicht wahrgenommen wird. Und das führt zu Frustration.

Sie sind also keiner von denen, die jede Woche mit einer neuen Idee um die Ecke kommen, die dringend sofort umgesetzt werden muss?

Lomb: (lacht) Ich hab tausend Ideen im Kopf. Aber das geht nicht. Ich kann kein Kollegium überfordern. Es waren ja auch unruhige Zeiten hier an der Schule. Deswegen ist es wichtig, dass Veränderungen sukzessive und langsam angestoßen werden. Man darf die Kollegen nicht überfordern. Letztendlich funktioniert das Ganze nur, wenn man die Kollegen auch mitnimmt.

Haben Sie hier in der Schule schon Leichen entdeckt, um die sie sich kümmern müssen?

Lomb: Wenn ich welche gefunden hätte, würde ich es jetzt nicht sagen. (lacht).

Natürlich setzt man sich mit der Vergangenheit auseinander, das ist ja klar. Und es gibt sicher auch noch das eine oder andere, was aufzuarbeiten ist. Aber mein Vorgänger hat da schon viel auf die Beine gestellt. Seine sehr gute Arbeit gilt es nun fortzusetzen.

Die Schule hat ja jahrelang ohne eigene Schulleitung und mit ungeklärten Verhältnissen klarkommen müssen. Was haben Sie als Erstes angepackt, was steht für Sie auf der Tagesordnung?

Lomb: Ich will weiter Transparenz schaffen, sowohl was die Stundenverteilung als auch die Budgetverteilung angeht. Ich will aber auch die Eltern, die Ausbildungsbetriebe und die Schüler mit ins Boot nehmen. Dabei geht es unter anderem um Themen wie Cafeteria oder den Tag der offenen Tür am 26. Januar. Es geht nur gemeinsam. Wir müssen sehen, wo unsere Stärken sind und wie wir die weiter ausbauen können.

Ist das nicht schwierig an einer Schule, wo so viele unterschiedliche Schüler sind?

Lomb: Natürlich haben wir eine heterogene Schülerlandschaft. Aber das ist ja auch das, was Berufsschullehrer auszeichnet: Wir gehen da ganz pragmatisch ran und können das auch. Wir haben sowohl junge Menschen, die als Bildungsverlierer gelten, als auch welche, die schon fest im Berufsleben stehen und sich weiterqualifizieren wollen, zum Beispiel in der Fachschule für Technik. Da muss man adressatengerecht mit den Menschen umgehen und ich habe den Eindruck, dass das dem Großteil des Kollegiums sehr gut gelingt.

Gibt es größere Projekte, die Sie sich für die nächste Zeit vorgenommen haben?

Lomb: Ich denke, wir können auf dem, was wir haben aufbauen. Außerdem möchte ich gerne die Unterrichtsorganisation und -qualität weiter nach vorne bringen. Da gehört für mich dazu, dass wir uns mit neuen Lernformen auseinandersetzen. Neben Instruktion, also dem klassischen Frontalunterricht, gehören da auch freie Arbeitsphasen dazu. Wir müssen die jungen Leute heranführen, dass sie selbstständig arbeiten und selbständig Verantwortung übernehmen. Die Verantwortung für den Lernerfolg liegt letztendlich beim Lernenden.

Die Anteile der offenen Lernformen müssen langsam größer werden. Ich stelle mir auch ein Selbstlernzentrum hier vor und Räume, in denen die Schüler selbständig arbeiten können. Meine Vision ist, dass wir irgendwann keine Pausenklingel mehr haben, sondern jeder in seinem Tempo lernt und seine Pause macht. Wir müssen die Freiheitsgrade für die Schüler erhöhen und ihnen mehr Vertrauen schenken.

Aber diese Freiräume sind eine sehr große Herausforderung für Lehrkräfte und Schüler. Das ist eine Perspektive für die nächsten zehn bis 15 Jahre.

Wenn Sie sich an Ihre eigene Schulzeit erinnern: Was waren Ihre Lieblingsfächer und was fanden Sie besonders blöd?

Lomb: Meine Lieblingsfächer waren Mathematik und Powi. Kunst hat mir keinen Spaß gemacht. Ich habe einfach kein künstlerisches Geschick.

Was finden Sie hier in der Region Waldhessen schön?

Lomb: Die ländliche Struktur, die Offenheit der Menschen und das eher Familiäre. Ich bin überhaupt kein Großstadtmensch. Ich komme selber aus einem Dorf und da ist man einfach anders aufgestellt und sozialisiert. Das Dorf ist auch ein schöner Rückzugsort für mich. Ich schätze unsere Schüler, aber ich mag auch meine Privatsphäre haben. Von Fulda hierher, das ist eine verträgliche Distanz.

Zur Person

Guido Lomb stammt aus dem Fuldaer Stadtteil Kämmerzell, wo er auch heute wieder mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter lebt. Nach dem Wehrdienst machte der heute 45-Jährige eine Ausbildung zum Bankkaufmann und war anschließend mehrere Jahre in diesem Beruf tätig. Nebenberuflich bildete er sich zum Sparkassenfachwirt und zum Betriebswirt IHK weiter. Er ist zudem zertifizierter Projektleiter. Nach neun Jahren bei der Sparkasse schloss Guido Lomb in Kassel ein Studium zum Diplomhandelslehrer an und war danach in Schlüchtern an der Kinzigschule tätig. 2014 wurde er stellvertretender Schulleiter in Hanau und war zuletzt ins Kultusministerium abgeordnet. Er ist begeisterter Fußballfan, spielt aber selbst nicht mehr und er ist Vorsitzender des Kämmerzeller Carneval-Vereins, in dem er auch Klarinette spielt. (zac)

Von Christine Zacharias

 

Quelle: https://www.hersfelder-zeitung.de/bad-hersfeld/neuer-schulleiter-guido-lomb-will-mehr-freiraeume-fuer-schueler-10619723.html

Eine Baustelle für den Neuen: Guido Lomb ist seit drei Monaten Schulleiter der Beruflichen Schulen Bad Hersfeld und hat gleich eine Baustelle übernommen. Der Bereich Ernährung und Hauswirtschaft wird gerade umgebaut. © Foto: Christine Zacharias

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